Dieser von Michael Brenner und Stefan Rohrbacher herausgegebene Band beinhaltet 15 Aufsätze, die sich mit Juden und Sport beschäftigen, davon neun mit eindeutigem Fußballbezug.

In „Hakoah Wien: Gedanken über eine Legende“ berichtet John Bunzl über einen der erfolgreichsten jüdischen Vereine in Europa. Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund, die Bedeutung für das jüdische Selbstbewusstsein, sportliche Begegnungen mit nichtjüdischen Vereinen sind die  Hauptthemen dieses kurzen Aufsatzes.

 “Ein kultureller Code?“ von Michael John ergründet dem Untertitel zufolge den „Antisemitismus im österreichischen Sport der Ersten Republik“. Auch hier wird der erste österreichische Profifußballmeister Hakoah Wien genauer beleuchtet. Überzeugend dargelegt hat John das ambivalente Vorgehen des Ständestaats-Regimes  (1934 – 1938). Was noch wichtiger ist: er widerlegt die These vom „kulturellen Code“, und stellt die konkrete Form des Antisemitismus dar.

Das Ende des Wiener Profifußballs, aber auch die Situation in Deutschland und im Sudetenland behandelt der Aufsatz „“Ein Gift, mit echt jüdischer Geschicklichkeit ins Volk gespritzt“: Nationalsozialistische Judenverfolgung und das Ende des mitteleuropäischen Profifußballes, 1938-1941″ von Rudolf Oswald.

Tony Collins beleuchtet in „Juden, Antisemitismus und Sport in England“ das Schicksal jüdischer Sportler in Großbritannien. Auch tritt wieder deutlich das Stereotyp der damaligen Zeit zutage: Der Jude als physischer Schwächling.

In die heutige Zeit springt John Efron mit seinem Aufsatz “Wo ein Yid kein Jude ist: Ein seltsamer Fall von Fan-Identität beim englischen Fußballklub Tottenham Hotspur“. John Efron schreibt sehr flüssig und schafft es mit eingestreuten Zitaten von Tottenham Fans dieses Phänomen spannend aber auch wissenschaftlich sauber darzustellen.

Die Situation in Ungarn untersuchen Victor Karady und Miklós Hadas in „Fußball und Antisemitismus in Ungarn: Fußballerische Rivalitäten vor Beginn der kommunistischen Herrschaft“. Den beiden gelingt eine hervorragende, wenn auch knappe Darstellung des ungarischen Fußballs vor dem Hintergrund Antisemitismus bis 1956.

Die deutsche Situation wird in „Juden im deutschen Sport während der Weimarer Republik“ von Jacob Borut dargestellt. 

Eine sehr aufschlussreiche Darstellung des jüdischen Lagersports gelingt Philipp Grammers in „Ichud Landsberg gegen Makabi München. Der Sport im DP-Lager 1945-1948 legt Philipp Grammers vor. Überraschend mag dabei die große Rivalität der jüdischen Sportler untereinander in dieser schwierigen Zeit erscheinen.

„Fußball und seine Funktionen für das Überleben im Exil. Das Beispiel der NS-Flüchtlinge in Shanghai“ von Albert Lichtblau beleuchtet viele interessante Aspekte des jüdischen Exilsports, vor allem des Fußball (aber auch der Boxsport wird kurz angesprochen): Ablenkungs- und Stabilisierungsfunktion, die Attraktivität (der Sportler), die jüdische Identität, Netzwerkbildung, Familienersatz und Neubeginn. Einen großen Platz bekommt Leo Mayer eingeräumt, der Star der Jewish League in Shanghai.

Insgesamt ist der Band sehr empfehlenswert, denn Sportgeschichte wird hier in spannender Weise mit der gesellschaftlichen und politischen Situation in Mitteleuropa (zumeist) vor dem Zweiten Weltkrieg  verwoben.

Das Buch gibt es kostenlos zu bestellen bei der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit:

http://www.km.bayern.de/blz/publikationen/katalog/details.aspx?300554